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Picasso: „Frauen sind entweder Göttinnen oder Fußabtreter“

Picasso war ein Macho. Obgleich er ein Maler des 20. Jahrhunderts war, verhielt er sich seinen Frauen gegenüber eher wie ein Spanier aus dem 19. Jahrhundert. Die Frauen beeinflussten sein Werk, sie waren seine Musen und seine Stützen. Dabei himmelten sie ihn an und blieben aus freien Stücken bei ihm, obwohl er nicht treu sein konnte und sich ihnen gegenüber teilweise unmöglich benahm. Von ihnen erwartete er eine uneingeschränkte Hingabe. Er schien nur sich selbst zu lieben, konnte ihnen aber, wenn er wollte, das Gefühl vermitteln, der wichtigste Mensch in seinem Leben zu sein. Da die Frauen Picassos Leben in verschiedene Abschnitte teilten, werden sie hier kurz vorgestellt.

Fernande Olivier war sein Modell und seine erste Geliebte in Paris. Mit Fernande zusammen durchlebte er am Anfang des neuen Jahrhunderts im Bateau Lavoir zusammen eine schwierige ärmliche Zeit, auf die er jedoch später voller Sehnsucht zurückblickte. In ihren Memoiren schrieb sie ohne Vorwürfe oder Bitterkeit über die gemeinsame Zeit. Sie waren ca. 7 Jahre zusammen.
Olga Khoklova stammte aus dem russischen Adel. Sie war eine Balletttänzerin in der berühmten Truppe von Diaghilev. Als Picasso in Rom für das „Ballett Parade“ Kostüm- und Bühnenbild entwarf, lernte er sie kennen und war von ihrem exotischen Wesen beeindruckt. Er heiratete sie 1917, woraufhin sie ihren Beruf aufgab. 1921 brachte sie seinen ersten Sohn Paolo zur Welt. Sie verlangte von ihm viel, Picasso konnte ihr jedoch nicht einmal eine liebevolle Beziehung geben. So trennten sie sich 1935, ließen sich jedoch nie scheiden. Olga konnte nie loslassen und starb 1955 nach schrecklichen Krankheiten einen einsamen Tod.
Picasso lernte Marie-Therese Walther als 17-jähriges Mädchen kennen. Er war fasziniert von ihrer Anmut und Schönheit, so begann er eine Affäre mit ihr. Er führte sie aber nie in seine Künstler-Kreise ein und sie blieb immer unbeeindruckt von seinem Erfolg, ihr Interesse galt mehr dem Sport. Dennoch nährte sie sein Werk durch ihre Jugend. Solange er noch mit Olga zusammen war, war Marie-Therese seine Zuflucht aus der Realität. Doch nach seiner Trennung von seiner Frau 1935, gebar sie seine Tochter Maya. Die Leichtigkeit dieser Beziehung war vorbei und er ergriff die Flucht. Marie-Therese blieb ihm aber immer treu.
Als Dora Maar schlie▀lich in sein Leben trat, um ihn zu fotografieren, lernte er plötzlich eine andere Art von Beziehung kennen. Dora war eine sehr intelligente Frau, mit der er sich gut unterhalten konnte. Mit ihr führte er ein Leben im Geist. Auch sie war eine starke Künstlerin. Sie dokumentierte die Entstehung von Guernica. Picasso verewigte ihr verwundbares Wesen als „weinende Frau“. Ihre Rivalität zu Marie-Therese empfand er nicht als störend, sondern im Gegenteil als Triumph seiner Männlichkeit. Nach ihrer Trennung lebte sie einsam und verletzt, ohne Lebensinhalt. Das Fotografieren hatte sie aufgegeben.
Die junge Françoise Gilot lernte Picasso kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges kennen. Sie war selbst eine angehende Künstlerin und war dem damals schon berühmten Maler gegenüber wissbegierig und unbekümmert. In seinen bisherigen Frauen sah sie keine Konkurrenz. Ihre stürmische Beziehung hielt 9 Jahre, in denen sie immer versuchte, eine starke Frau zu bleiben. Er stellte sie gerne z.B. als Akt, als Sonne oder Blume dar. Sie schenkte ihm zwei Kinder, Claude und Paloma. Das Familienglück in dieser Zeit bedeutete ihm sicher mehr als eine künstlerische Periode. 1953 trennte sich Françoise von Picasso. Sie war die einzige Frau, die ihn verlassen hat. In dem Buch „Leben mit Picasso“ erzählt sie auf eine souveräne Art und Weise von ihm als eindrucksvolle Person.
Picasso traf Jacqueline Roque nach der Trennung von Françoise im südfranzösischen Vallauris. Sie wurde zunächst zu einer treuen Begleiterin, dann zu seiner zweiten Ehefrau. Sie ist die Frau, die seine letzten Jahre miterlebte. Ihretwegen brach er den Kontakt zu seinen früheren Lebensgefährtinnen und Kindern fast vollständig ab. Nach Picassos Tod beging sie Selbstmord. Sie blieb immer unergründlich, obwohl sie am Ende die am häufigsten dargestellte Frau war.