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Eines der berühmtesten und zugleich erschütterndsten Gemälde Picassos ist ohne Zweifel „Guernica“. Es trägt den Namen eines baskischen Städtchens, welches im April 1937 durch den späteren Diktator Franco mit Unterstützung der deutschen Legion Condor bombardiert wurde. Es war das erste Mal, dass ein solcher Angriff gegen ein ziviles Ziel eingesetzt wurde, um die Bevölkerung zur Kapitulation zu bewegen. Franco wollte so einerseits die spanische Demokratie beenden und auf der anderen Seite neu entwickelte Waffensysteme für den 2. Weltkrieg testen. Bis zur völligen Zerstörung Guernicas dauerte es nur eine dreiviertel Stunde.


Picasso klagte dieses schreckliche Ereignis mit seinem Bild an, in welchem er auf leidenschaftliche Weise die Folgen des Angriffs schilderte. Er benutzte dafür nur die Farben Schwarz, Weiß und Grau und verzichtete auf jegliches illustrierendes Beiwerk. In das Werk sind acht Gestalten eingeflochten, die zusammen ein stumpfes Dreieck ergeben, welches die Komposition bestimmt. In der Mitte steht ein tödlich getroffenes Pferd mit hochgerecktem Hals, welches bei Picasso häufig als Sinnbild für das absolute Leid eingesetzt wird, neben ihm sein am Boden liegender Reiter mit seinem zerbrochene Schwert in der linken Hand. Man sieht weiter rechts zwei Frauen, die zur Mitte stürzen. Eine von ihnen hält eine Kerze in der Hand, welche diese schreckliche Szene beleuchtet. Sie erinnert an die Freiheitsstatue. Eine dritte Frau bricht ganz rechts schreiend zusammen, während eine vierte auf der linken Seite ihr totes Kind in den Armen hält. Sie steht für die christliche Darstellung der trauernden Mutter Gottes und den Verlust von Angehörigen, den alle Überlebenden erleiden mussten. Über dieser Frau sieht man einen Stier stehen, der in scheinbar stolzer Haltung seine Augen weit aufreißt. Einige Interpretationen deuten ihn als Symbol für Franco bzw. den Faschismus, andere sehen in ihm den wütenden und erregten Picasso.

Im Gegensatz zu traditionellen Gemälden, stellte dieses Kriegsbild keine Helden sondern nur das Leid dar. Jedoch dokumentierte Picasso hierbei keine Geschehnisse. Stattdessen erarbeitete er ein symbolisches Werk mit Hilfe von universellen Mitteln, so dass es praktisch zeitlos ist und durch seine gute Verständlichkeit jeden berührt. Picasso malte das Bild für den spanischen Pavillon der Weltausstellung. Er hatte zunächst ein anderes Thema vorgesehen, änderte jedoch nach den Ereignissen seinen Plan. Die unglaubliche Größe von 349 x 777 cm waren bereits bei der Planung des Pavillons festgelegt. So hatte Picasso eine Fläche von 27 m² zu bearbeiten. Die Entstehung des Werkes wurde von Dora Maar fotografisch dokumentiert.

Picasso wollte das Bild einer zukünftigen Spanischen Republik vermachen, also wurde es während Francos Diktatur im Museum of Modern Art in New York aufbewahrt bzw. ausgestellt. Nach Francos Tod kam es 1981 zunächst in den Prado in Madrid. Heute befindet sich „Guernica“ immernoch in der spanischen Hauptstadt, in den Räumen des Museo Reina Sofia.